Rasseportrait

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Rassebeschreibung des Grossen Schweizer Sennenhundes
Wir kennen vier Sennenhundrassen:
Grosser Schweizer Sennenhund
Berner Sennenhund
Appenzeller Sennenhund
Entlebucher Sennenhund
Der Grosse Schweizer Sennenhund braucht als ursprünglicher Bauernhund ein geräumiges Gelände mit vielen Eindrücken auf dem er uneingeschränkt umherlaufen kann.

Der Grosse Schweizer Sennhund braucht auf jeden Fall engen Familienanschluss. Lassen sie ihren Hund nicht mehrere Stunden lang allein. Hunde sind Rudeltiere und fühlen sich eben nur im Rudel wohl. Gerade der Grosse Schweizer Sennenhund braucht die soziale Bindung, um nicht seelisch zu verkümmern. Wer seinen Hund nur draußen oder gar im Zwinger halten möchte, kauft sich besser einen Stoffhund.

Trotz seiner Größe und seines muskulösen Körperbaus kann er sehr schnell sein. Allerdings ist er für Sportarten wie Agillity nicht so gut geeignet. Hier bietet sich eher Fährtenarbeit, Rettungshundeausbildung und ganz besonders Zughundearbeit an. Es ist absolut wichtig, sich vor der Anschaffung zu überlegen, ob man seinem Hund eine auslastende Beschäftigung bieten kann. Sollte das nicht der Fall sein, nimmt man besser Abstand von dem Kauf eines Grossen Schweizer Sennenhundes.

Hat man erst mal eine Bindung zu seinem Hund aufgebaut, folgt er seiner Bezugsperson freudig. Da diese Rasse ein wenig stur sein kann, darf man nicht absoluten Kadavergehorsam erwarten. Wer damit nicht umgehen kann, sieht sich besser nach einer anderen Hunderasse um.

Hier zitieren wir Susanne Preuss über den Grossen Schweizer Sennhund
“ Mit bis zu 72 cm Schulterhöhe und 65 kg Gewicht der größte Sennenhund. Sehr kräftig, aber harmonisch und beweglich. Er ist unbestechlich, Beschützer des Schwächeren, unerschütterlich, sensibel, selbstbewusst, eigensinnig, zuverlässig und fleißig.
Einst Wachhund, Herdenschutzhund, selbstständig arbeitender Zughund, selbstständiger Jagdwilderer.
Als Typ Herdenschutzhund will er bei seiner Arbeit selbstständig denken und eignet sich nicht für widerspruchslosen Appell. Sein Wesen ist noch meist ursprünglich. Seine Menschen gehen ihm über alles und er braucht noch mehr als sein Futter, eine Aufgabe und Verantwortung. Dort ist er bestrebt, nicht zu enttäuschen. Durch seine enorme Kraft und Ausdauer ist er ein hervorragender Zughund (200-300 kg) bei regelmäßiger und sachgemäßer Handhabung unbestechlich. Er braucht eine konsequente, frühe Erziehung, die auf seinen ständigen Wissensdurst eingeht. Durch diese frühen Erfahrungen eignet er sich selbst viele Menschenkenntnisse und richtige Verhaltensregeln an. Er zeigt aber auch eine gewisse Arroganz gegen Menschen ohne Hundeverstand. Auch ist es wichtig, ihn früh zu sozialisieren, dann ist er ausgesprochen freundlich und gesellig. Früh an andere Tiere gewöhnt, geht er behutsam und gelassen mit ihnen um. Isolation, Arbeitslosigkeit und wenig Ansprache machen ihn nervös und böse. Auch zu viel Drill lassen seine natürlichen Eigenschaften verkümmern und machen ihn unsicher im Wesen. Als heimlicher Wilderer in fast vergessenen Tagen, brachte er so manchen Braten für die ärmeren Bauern, die ihn dazu nutzten. So manch ein Großer verfügt noch heute über diese Jagdeigenschaften, die man bei Zeiten ertesten und dann durch Erziehung einwirken sollte. Diese Hunde sind gute Apportier- und Fährtenhunde. Er hängt sehr an seinen Herren/in.
Es ist zu hoffen, dass er nicht zum Modehund wird. Eine Tendenz ist leider schon sichtbar. Dies ist der kleinere schlankere Typ, der somit auch sein Wesen zum nervöseren verändert und die guten Eigenschaften verliert (Gentechnische Vererbungslinie – Aussehen mit Wesen gekoppelt).

Vor- und Nachteile des Wesens (freundliche Dominanz)
Bevor man den Charakter einer Rasse beurteilt, muss man sich anschauen, wie sie entstanden ist, wer und was sie formte, um die Vor- und Nachteile des Wesens einer Rasse zu begreifen.
Die Schweizer Sennenhunde gehören zu den Lagerhunden – Bauernhunden. Sie blicken auf eine lange Geschichte zurück, die mit der Sesshaftwerdung der Menschen in der Jungsteinzeit im Schweizer Raum beginnt. So haben also seit jener Zeit, die Menschen (Bauern) die Rassen nach ihren Bedürfnissen geformt gezüchtet. Weiter spielten hierbei auch viele Umwelteinflüsse, wie zum Teil das sehr raue Klima und schroffe Landschaft, eine Rolle. Vornämlich brauchte man die Hunde als Wächter für Hof und Vieh, als Jagdgehilfen, Treibhund fürs Vieh, Transportmittel, Apportiergehilfen, aber auch zur Nahrung für den Menschen. So ist ein Bauernhund Mädchen für alles – ein Mehrfachgebrauchshund. Daher die enorme Selbstständigkeit des Sennenhundes, auf die ich später noch zurückkomme.
Je nach Region und nach vornämlichem Gebrauchszweck formten sich schließlich durch Zucht die einzelnen Schläge der Sennenhunde heraus, die Albert Heim dann schließlich vor ca. 100 Jahren standardisierte. Er erkannte in den Sennenhunden Hunde, die nicht nur durch verbesserte Reinzucht ihres Äußeren, sondern auch durch ihr Wesen zum Verkaufsschlager in alle Welt werden könnte. Vor allem für den Berner sah er diese Zukunft. Er meinte: „Die Sennenhunde sind fleißige Bauernhunde, die sich aber auch in Gesellschaft zu benehmen wissen.“
Wenn man sich also eine Rasse anschaut, dann muss man sich die Menschen ansehen, die sie zur Rasse formten. Man sagt nicht umsonst: „Wie der Herre so das Gescherre“.
So prägt nicht nur der Besitzer seinen Hund, so prägt ein Menschenschlag die Zucht seiner Hunde.
Es ist eine Wechselwirkung. Wenn man sich die Heimat der Sennenhunde ansieht, so fällt vor allem auf, dass es keine Zäune gibt. Dass die Hunde sich dort frei zwischen Stall, Speicher und Haus bewegen und dass sie genau ihre Ackergrenzen kennen. Sie sind aufmerksame Betrachter ihrer Umwelt, immer bestrebt immer zur Stelle zu sein, aber auch nicht im Weg zu stehen, um nicht in Ungnade zu fallen, sowie sich in den Arbeitsalltag mit einzubringen. Ihre Aufzucht und Erziehung sollte keinen großen Aufwand machen, dafür hatte man schlichtweg kaum Zeit, da die Bauern fürs tägliche Überleben schon genug von früh bis spät zu tun hatten. Vor allem das machte den Sennenhund zum guten Beobachter und zur Selbstständigkeit. Der Hund war nicht Luxus, sondern Arbeiter und Helfer fürs tägliche Überleben. Hunde, die diese Eigenschaften nicht mitbrachten, kamen bei Zeiten unter die Räder, wurden nicht erwachsen. Auf der anderen Seite durfte er seine Selbstständigkeit nur im Sinne der Arbeit nutzen, aber nie gegen seinen Herren. Zu dominante Hunde kosten zu viel Aufwand und wurden selektiert. Eine Ausnahme bildeten da die Berner Sennenhunde mit Spaltnase, die einige zur Rasse erhalten wollte. Mit diesem Gendefekt verband sie eine enorme Aggressivität und hohe Sterblichkeit, die dennoch vereinzelt als böse Kettenhunde genutzt wurden. Es gab Schweizer, die diese Hunde als Wachhunde weiter wollten. Albert Heim kämpfte dagegen mit Erfolg. So verschwanden diese Hunde zum Glück schnell. Weiter gab es einen Sennenhund mit sehr lockigem Fell in Größe und Form des Berners ähnlich. Seine Pflege war aber aufwendiger und auch sein Aussehen befand man damals als nicht so schön, so selektierte man diese Hunde bei der Zucht gegen ein schlichteres, pflegeleichteres Fell des Berners aus. Was natürlich nicht sagt, dass hin und wieder ein lockiger Hund oder eine Spaltnase in einen heutigen Wurf liegt.
Der Nutzen des Sennenhundes war umfangreich. Mehrfachdienste wurde von ihnen vorrangig und täglich gefordert und die Hunde, die diese Eigenschaften zeigten, kamen zur Vermehrung. Das Wesen und die Gesundheit standen bei der Zucht im absoluten Vordergrund. Die anderen Hunde selektierte, meist ohne großes Zutun des Menschen, die Umwelt von selbst aus, bzw. so traurig das aus heutiger Sicht klingt, landeten die Hunde im Kochtopf, da sich die armen Bauern keinen Luxus und keine Verschwendung leisten konnten. Erstaunlich ist auch, wie alt dann die Sennenhunde früher wurden. So war es nicht selten, dass zu einer Zughundeprüfung ein 16-Jähriger den Junghunden etwas vormachte. Auch einen Hund, der ca. zwei Jahre für seine Entwicklung nun mal braucht, dann aber mit 6-8 Jahren stirbt, nützte den Bauern wenig und man selektierte diese Blutlinien aus. Nur diese harte und strikte Selektion ermöglichte es, dass wir heute 4 schöne Sennenhundrassen haben. Um sie zu erhalten, bedarf es keine Nachlässigkeit in der Zucht und das nicht nur bei der Optik, sondern auch im Wesen und Leistung der Hunde. Man mag meinen, heute braucht der Hund doch nicht mehr so hart für sein Futter zu arbeiten, aber eine Rasse, die sich über Jahrtausende durch Arbeit formte, wird mit Arbeitslosigkeit und Nichtgebrauchtwerden schlecht zurecht kommen, krank und schwach oder verhaltensauffällig. Sennenhunde brauchen also für ihr Gedeihen eine Aufgabe, körperliche und geistige Bestätigung sowie Futter und Wasser.
Sehen wir uns weiter die Menschen an, die sie erzüchteten. Die Schweizer Bauern sind ruhige bis hin zu wortkarge Leute, die lange Jahrhunderte in Abgeschiedenheit der Berge lebten, so formte sich das Bestreben der Hunde, seinen Menschen von den Lippen lesen zu können, wohl aus. Hunde, die langsam im Verstehen waren, selektierte man aus.
Alle Streuner, die Feldgrenzen nicht als Bewegungsgrenze akzeptierten, schloss man für die Zucht aus, da man dies nicht duldete. Der Hund musste, wenn man seine Dienste brauchte, stets zur Stelle sein. Vor allem den Berner, der als Hofhund seine Pflichten hatten, bevorzugte man die ruhigeren und bewegungsarmen Hunde mit steiler Hinterhand. Der Große Schweizer Sennenhund hatte seine Hauptaufgabe im Transport und im Zug von Lasten. Ein kurzes wetterfestes Fell, was sich nicht in den Riemen verheddert, längere kräftigere Beine, sind da vom Vorteil. Kuhhessigkeit wurde lange gefördert bei der Zucht von Zughunden und sie tritt gerade beim GSS heute noch häufig auf. Man nahm an, dass das Auswärtsdrehen der Pfoten beim Ziehen vom Vorteil sei. Als Mensch dreht man ja auch beim Klettern und Ziehen die Füße nach außen. Bewiesen wurde diese Theorie nie und heute sieht man es als optisch unschön an. Ansonsten verrät das Gebäude und Wesen vor allem des Großen Schweizer Sennenhundes, dass er gut längere Strecken mit Kraft bewältigen kann. Der Entlebucher und Appenzeller Sennenhund waren vornämlich Treibhunde, die mit Ausdauer, Flinkheit, Eigenständigkeit und Geschick dass Vieh im Gebirge, wie auf den Talwiesen treiben und bewachen konnten. So kann man sagen, dass die Sennenhunde zwar alle eine Hauptaufgabe – Hauptberuf hatten, aber auch in der Lage sein mussten, die anderen anfallenden Aufgaben zu erfüllen.
So brauchte man für alle 4 Sennenhunde Wacheigenschaften, ohne übertriebene Aggression. Die Hunde sollten stets zweibeinige Diebe mit Nachdruck stellen, aber das Richten ihrem Meister überlassen. Vierbeinige Räuber bekämpfen und vertreiben. Schwächere wie Kind und Jungvieh jedoch behüten. Man sagt sogar ihnen nach, dass sie Frauenhunde seien und dass sie sich ihren Herren selbst suchen. Auf jeden Fall sind sie sehr treu und ergeben, wenn sie sich in ihrem Heim wohl fühlen. Und sie wollen ihren Menschen gefallen.

Alle Endpunkte des Sennenhundes haben eine weiße Endung, so kann man den Hund auch gut im Dunkeln erkennen und ihn im Kampf vom Wolf unterscheiden und helfen.
Zeitweilig wünschte man ein Kreuz als Brustfleck, wie in der Schweizer Flagge, so stolz war man auf seinen Hundeschlag. Die Dreifachzeichnung lässt ihn von weitem wie ein Kalb erscheinen und den Dieb täuschen. Die Brauen über den Augen lassen ihn auch im Schlaf wach erscheinen, so bekam er zeitweilig den Namen „Vieräugli“.
Man sieht also, sein Aussehen entstand nicht, weil es niedlich oder als schön empfunden wurde, sondern, weil es eine Funktion hatte.
Weiter musste er das Vieh auf dem Hofe in Ruhe lassen, einen Hasen heimlich aus dem Wald konnte er schon mal zur Bereicherung des Speiseplans des Bauern nach Hause mitbringen. Auch die Schädlingsbekämpfung gegen Maus &Co war eine seiner Nebenjobs, gleichzeitig deckte er damit seinen Bedarf an tierischem Eiweiß. Fleisch konnte der Bauer natürlich seinen Hunden nur in Form von Abfällen geben. Sonst bekam er meist das Futter, was auch das Schwein bekam, Milch, Brot und Haushaltsabfälle. Und mancher Sennenhund zeigt auch heute dieses Jagdverhalten.
So formte sich das typische Verhalten des Sennenhundes aus.
Diese überlebenswichtige Selbstständigkeit in der Arbeit der Hunde hat einen Nachteil. Sie wirken stur und verfügen über die so genannte freundliche Dominanz. Sie wollen den Sinn eines Kommandos wissen, ehe sie handeln. Bekommen sie ihn nicht, werden sie stur. Sie brauchen Entscheidungsfreiraum, Verständnis, Vertrauen, um sich unter zu ordnen.
Nun, da liegt das Problem. Denn leicht übersieht man an dieser Stelle, wo der Ungehorsam anfängt und der Mensch nicht mehr Rudelführer ist. Es ist also ein Unterschied, ob der Hund sich verweigert, weil er den Sinn nicht begriffen hat oder ob er nicht hören will, also freundlich dominant ist.
Die Aufzucht braucht viele Eindrücke, Freiraum und Anleitung besonders im ersten Jahr, damit der Sennenhund nicht scheu wird und seine Souveränität und Leichtführigkeit zeigen kann.
Auf der anderen Seite hat der Sennenhund ein Problem nun mit Zäunen und Angebundensein, vor allem in seiner Kindheit und Jugend in den Hauptlernphasen. Er fühlt sich arg beschnitten und entwickelt daraus oft Verhaltensprobleme von Nervosität bis hin zur Aggressivität. Der junge Sennenhund empfindet es nicht selten als Vertrauensmissbrauch, auch steht es seinem Bedürfnis seine Umwelt zu erkunden, zu verstehen und sich selbst zu schulen, im Wege.
Sozialtraining mit Hunden, aber auch anderen Tieren und Umgang mit Menschen, seiner Umwelt, Verhaltensregeln, Sitten und Bräuche in seiner Familie lernt der Sennenhund am besten, wenn er sich immer frei und unter strikter Anleitung und Führung seiner Menschen und in seiner Umwelt bewegen kann. Leine und Zaun empfindet er nicht selten als Strafe, versucht sich zu befreien, um einen Weg zu finden, um wieder bei seinen Menschen zu sein. Oder er stumpft dort nicht selten ab, wird nervös, ängstlich oder aggressiv. Mühsam ist dann erst wieder die Erziehung mit Hilfe einer Hundeschule usw., wenn diese angeborenen Grundeigenschaften erst mal aberzogen wurden. Eingeschlichene Erziehungsfehler, aber auch Missverständnisse in der Kommunikation miteinander sind meist aufwendig wieder auszubügeln.
Ein Problem bei der Erziehung eines Sennenhundes stellt heute auch die Angst vor Verlust des Hundes durch Krankheit oder Unfall dar. Hat man früher sich erst an einen Hund gehängt, der durch eine Leistung hervortrat und in seiner Entwicklung fertig war, bzw. die Gefahren in seiner Umwelt widerstanden hat, so hängt man sich heute schon an den Welpen als Familienmitglied und bis hin zum Partnerersatz. Ging man früher mit dem Hund ohne viel trara um, so macht man sich heute zu viele irritierende Gedanken über seine Erziehung und Wohlergehen, dass ein vermenschlichen oft nah liegt. Man handelt nicht mehr nach Gefühl und aus dem Bauch heraus, lässt sich durch so viele Erziehungsmethoden Verbote und Verordnungen verunsichern, was schließlich den Hund negativ prägt.
Um einen Sennenhund artgerecht zu halten, braucht er nicht nur Futter, Wasser und Streicheleinheiten. Wichtig ist für ihn gebraucht zu werden, eine Aufgabe zu haben, die seinem Bewegungsdrang, Intellekt und Kraft gerecht wird. Da heute die wenigsten richtige Gebrauchshunde sein müssen, findet man sicher einen Platz im Hundesport. Agility, Dogdancing, Ballspiele, aber auch die Rettungshundeübungen sind hervorragender Ersatz für das Hüten einer Viehherde. In Zusammenarbeit mit seinem Herrchen eine Aufgabe zu bewältigen, ist ihnen mehr wert, als Futter. Zughundesport und auch die Verwendung des Hundes als Zugtier im Alltag ist ebenfalls für viele Hunde eine Bestätigung und innere Freude. Auch hier muss der Hund beim Führen des Wagens viel Selbstständigkeit und Geschick beweisen.
Kleine Bringdienste, wie das Entladen des Autos, Apportierübungen, Bewachen von Gegenständen oder auch mal den Sonntagsbraten bewachen, statt den Hund zu isolieren, erfüllen die Hunde nach Anleitung sehr gern. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Meist bieten die Hunde ihre Dienste an, die man nur noch lenken muss. Sie wollen und müssen auch immer bei ihren Menschen sein. Wichtig ist, dass man ihnen ihre Aufgaben wichtig und verständlich macht, da sie bei sturer Abfolge der Kommandos mit Verweigerung reagieren. Wichtig ist, dass Aufgaben täglich sein müssen. Auch wenn die Sennenhunde nicht die Bewegungsschnellsten sind, so braucht er täglich sportliche Bewegung, das dann den Sennenhund länger fit und gesund bleiben lässt. Gelangweiltes Leben auf dem Grundstück zwischen Futternapf und Gassirunde, lässt ihn früher altern und trotz gutem Futter oft krank werden.
Warum werden Sennenhunde aggressiv und hat das mit freundlicher Dominanz zu tut? So steht das in keiner Rassebeschreibung.
Oft beginnt man mit der Erziehung erst, wenn der Hund Probleme zeigt, bzw. wenn er schon sein Gewicht mitbringt.
Erfahrungsmangel im sozialen Bereich, Übertragung der Unsicherheit und Angst seiner Menschen, erblicher Grundcharakter, Bedrohung und Angst vor Neuland, können einen Hund aggressiv, aber auch sehr ängstlich machen. Beim Hund geht es immer ums Überleben und er folgt dem Naturgesetz. Spürt er die Unsicherheit seiner Menschen, wird er die Führung übernehmen. Da Sennenhunde ruhige strategische Hunde sind, zeigen sie ihren Menschen (Büchsenöffner) nicht die Zähne. Überwiegend zeigen die Hunde im eigenen Rudel – Familie – die freundliche Dominanz. Sie übernehmen die Führung Schritt um Schritt in wahrer Freundlichkeit. Kommandieren ihre Menschen fast beiläufig durch den Alltag. Doch die Probleme im Zusammenleben mit diesen Hunden nehmen leider zu und sind dann irgendwann nicht mehr zu übersehen, wenn sich alles nur noch um den Hund dreht, anstatt ein bereitwilliger Helfer seiner Menschen zu sein und man sich nicht mehr traut mit ihm vor die Tür zu gehen.
Zeigt der Sennenhund schließlich offene Aggression seinem Herren gegenüber, dann ist es höchste Zeit, etwas zu ändern.
Um den Unterschied zwischen freundlicher Dominanz und „Ich habe die Aufgabe noch nicht verstanden“ zu unterscheiden, muss man sich mit der Hundesprache und mit seinem Hund intensiv auseinander setzen. Oft wird dieses Dominanzproblem mit niedlicher Dickköpfigkeit des Hundes verwechselt. Mit freundlicher Dominanz heißt auch, der Hund ist das Alphatier in der Familie und gibt die Regeln an. Das darf nicht sein, weil es für die Umwelt auch eine Gefahr darstellt, abgesehen davon es sich auch nicht ruhig leben lässt.
Wer einen Hund haben will, der ohne wenn und aber jede Aufgabe auf Kommando durchführt, der findet im selbstständigen Sennenhund keinen Freund.
Sennenhunde sind für gewöhnlich auch nicht aggressiv zu ihren Artgenossen. Kämpfe bedeuten für sie sinnlose Kraftverschwendung. Man blufft ein bisschen und droht, brummen sich an, das genügt gewöhnlich, um die Rangordnung klar zu machen( keine Zäune in der Heimat). Auch Rüden untereinander bleiben friedlich, wenn sie sozialisiert und ausgelastet sind. Vor allem, wenn die Rangordnung zum Besitzer klar ist und dieser kein Match will, so wird der Rüde nicht beißen. Denn Ungnade zum Chef bedeutet kein Futter usw., schutzlos sein und Nichtbelohnung, wie es oft geschieht.
Wenn der Hundeführer aus Unwissenheit und Unsicherheit mit Angst auf einen entgegenkommenden Hund reagiert, spürt das der eigene Hund sofort, der dann die Führung übernimmt und aggressiv reagieren kann. Er versteht dieses Verhalten seines Herren als Angriffs- bzw. Verteidigungspfiff. Ängstliche Hunde ergreifen die Flucht, auch weg vom unsicheren Hundehalter.
Die Sprache des Hundes ist sehr interessant und umfangreich, bestehend aus Gestik und akustischen Lauten.
Der Hund lernt schnell die Menschensprache, aber wie viel versteht der Mensch von der Hundesprache? Es ist gar nicht so schwer, wenn man beobachtet und zuhört. Der Hund ist nicht nur ein Befehlsempfänger, Streichelkissen und der Besitzer nicht nur sein Büchsenöffner. Hören wir den Hunden zu und geben ihnen eine Aufgabe um lange an ihnen und mit ihnen Freude zu haben. Entdecken wir mit Hilfe ihrer Sinne, unsere Umwelt klarer zu sehen und mehr Freude an kleinen Dingen zu finden. Lassen wir zu, dass der Hund uns ein Helfer ist. Und vergessen wir nie, dass wir immer das Alphatier im Rudel sein müssen.“